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Sternabzug

Sternabzug

Drei Jahre sind nun schon rum. Irre, wie die Zeit vergeht. Vor ziemlich genau drei Jahren stand der Kauf eines neuen Fahrzeuges an und wir hatten damals das Glück, bei einer Verlosung den Zuschlag für das günstige leasen eines Smart ForFour  zu erhalten. Siehe hierzu auch unseren Erfahrungsbericht „Der Tag, an dem wir fast ein neues Töff-Töff bekommen hätten„. Aber heute nun gibt es einen Sternabzug!


Mercedes Benz, wir kommen


Drei Jahre sind ins Land gegangen und der Tag der Fahrzeugabgabe steht heute an. Wir verlegen also im verkehrsbehindernden Kolonnenverband, Fienchen vorweg, Smart hinterher mitten im Berufsverkehr in Richtung Mercedes Benz Niederlassung Hannover. Dort gibt es – das ist uns bekannt – einen Innenhofparkplatz mit nur… na ja, sagen wir es mal so… sehr begrenzter LKW-Parkmöglichkeit.

Da aber in der näheren Umgebung so überhaupt kein Parkplatz vorhanden war, fuhren wir einfach auf diesen MB-Parkplatz auf und suchten uns eine freie Sperrfläche, um das Fienchen dort temporär abzustellen. Die Blicke der Angestellten durch die großen Glasfronten konnten wir sehr deutlich auf uns spüren. Irgendwie passten die anderen meist nagelneuen Mercedesse (ist das überhaupt der korrekte Plural für Mercedes?) nicht wirklich zum Fienchen, es gab zwar neben normalen Fahrzeugen auch die üblichen Schneller-Breiter-Flacher-Protzkarren und auch die SUV-Familienpanzer, doch an Fienchens Größe kam natürlich keiner heran.

Sogleich kam dann auch ein netter Mitarbeiter heraus, der uns einen etwas abseitigen Parkplatz etwa 200 m weiter, direkt vor der Zufahrt für Lieferfahrzeuge zuwies, wo wir „in Ruhe stehen bleiben können“. Wir remonstrierten ob der Tatsache der Zufahrt für Lieferfahrzeuge, doch der nette Mitarbeiter versicherte uns, dass er telefoniert habe und falls wir dort im Wege stünden, er es uns sogleich sagen würde.

Wahrscheinlich wollte er den optischen Gesamteindruck seines Parkplatzes wieder herstellen und die Mercedesse nicht ganz so mickrig aussehen lassen. 🙂 Wie dem auch sei. Wir verlegten nun also zur oben benannten Örtlichkeit und meldeten danach in der Rezeption unser Begehr ob der Rückgabe des kleinen Töff-Töff an.

Nach dem Erhalt eines wirklich gut schmeckenden Kaffees gingen wir dann wieder zum Fienchen, um hier zu warten, bis die Fahrzeugüberprüfung, welche zur Abgabe nötig ist, erledigt ist.


Auftritt Herr Wichtig


Gerade, als ich die Tür vom Fienchen öffnen wollte, kam ein Mensch, männlich, hochgewachsen, Schlips- und blaues Sakko tragend  – nennen wir ihn der Zweckmäßigkeit halber Herr Wichtig – vom öffentlichen Straßenbereich und wollte offensichtlich gerade den Hofeingang zum Werksgelände passieren.

Ohne die Entbietung des Tagesgrußes, was an sich schon ein recht rüpelhaftes Verhalten belegt und auch ohne Nennung seines Namens oder seiner Funktion im Weltkonzern Daimler Benz hielt er sich sein Handy ans Ohr und meinte, dass ihn gerade sein Freund, ein Polizist, angerufen habe, er möge uns doch vorwarnen, denn es sei schon ein Streifenwagen unterwegs, um uns und unser offensichtlich falschparkendes Fahrzeug zu reglementieren.

Als wir entgegneten, dass uns das Parken an ebendieser Stelle von einem MB-Mitarbeiter, Herrn Demiray, nicht nur empfohlen, sondern sogar erlaubt worden sei, schien ihn das nicht wirklich zu beeindrucken.

Nun fuhren wir schwereres Geschütz auf und gaben bekannt, dass unser Noch-Töff-Töff gerade bei der Bewertungsinspektion sei, da wir gerade eine Leasingrückgabe abwickeln. Ach so…. Na ja… Nun ja…. dann will er doch mal (noch immer mit dem Smartphone am rechten Ohr herumfummelnd) seinen Freund, ihr wisst schon, den Polizisten, anrufen, damit er erst in einer halben Stunde vorbeikommen soll, um uns dann zu reglementieren. Wahrscheinlich wusste Herr Wichtig mit seinem überaus professionellen Sachverstand, dass eine Fahrzeugrückgabe exakt 30 Minuten dauern würde.

Da wir dieses Anscheinsgebaren mit der Polizei für erstunken und erlogen erachteten, fragte ich ihn mal nach dem Namen des Kollegen, da ich mich mit diesem gerne über den oben dargelegten Sachverhalt unterhalten hätte. Natürlich wollte er keine Namen nennen. Verständlich oder?

Nun ja, Herr Wichtig verzog sich, nachdem wir mehrfach bekräftigt hatten, gleich nach Fahrzeugrückgabe, nicht aber nach exakt 30 Minuten, den zugewiesenen Platz zu verlassen.


Frühstück bei Tiffany im Fienchen


Wir legten nun eine ausgiebige Brotzeit ein, da wir ja von Herrn Demiray telefonisch benachrichtigt werden würden, wenn die Fahrzeugbewertung fertig sei. Es gab leckere belegte Brötchen und Schokocroissants, doch soll das jetzt nicht Teil dieses Blogeintrages sein.

Nach einer Weile klingelte tatsächlich das Telefon und wir wurden zum Abschlussgespräch gerufen.

Wieder erhielten wir eine leckere Tasse Kaffee und dann traf auch Herr Demiray ein, mit welchem wir ein sehr konstruktives und von ehrlicher Freundlichkeit geprägtes Abschlussgespräch führten. Kurz vor Ende des Gespräches erschien auf einmal Herr Wichtig.


Nicht nur Hähne können sich aufplustern


Herr Wichtig nahm alle Wichtigkeit zusammen und plusterte sich förmlich auf. Er stellte fest, dass wir immer noch vor der Einfahrt stehen würden [Ja, stimmt] und nicht auf seine Anweisung gehört hätten, diesen Ort nach spätestens 30 Minuten zu verlassen [Stimmt auch]. Das das ja überhaupt nicht ginge [Na ja, doch. Das sieht man doch gerade].

Nun reichte es mir so ein kleines bisschen und ich fragte ihn erst einmal nach seinem Namen und ob er denn überhaupt ein Mitarbeiter von Mercedes Benz sei und eben jene Entscheidungen treffen könne. Er nannte ihn mir, doch Namen sind ja bekanntlich Schall und Rauch und wahrscheinlich auch nicht wirklich wichtig, da das gezeigte Verhalten sicherlich kein Einzelfall und im Betrieb hinlänglich bekannt sein dürfte.

Die Frage nach der Entscheidungskompetenz nahm er nun zum Anlass, uns aufzufordern, „SOFORT DAS GELÄNDE ZU VERLASSEN“.

Fienchen vor der Einfahrt Anlieferungen

Da war ich dann doch ein wenig sprachlos. Sicherlich hegte Herr Wichtig keine Vorurteile gegen leger gekleidete Kunden in Räuberzivil und lila Crocs. Auch wird er persönlich sicherlich nichts gegen Menschen mit Dreadlocks haben. Oder gegen Menschen, die einen 44 Jahre alten Militärlastwagen fahren (na ja, ist halt mehr Sein als Schein, aber das ist ja durchaus gewollt). Kurzum: bei diesem Menschen (wären wir denn vor drei Jahren an ihn und nicht an den überaus freundlichen Herrn Karatay geraten) hätten wir freiwillig nicht einmal einen Blumentopf geleast. Von einem PKW ganz zu schweigen.

Jedenfalls sprengte er unser freundliches Abschlussgespräch mit Herrn Demiray, was, sollte er den Posten einer Führungskraft innehaben, darauf schließen lässt, dass er wahrscheinlich die meisten Qualifikationsveranstaltungen für diesen Posten verpasst hat. So benimmt man sich einfach nicht. Weder gegenüber dem Mitarbeiter und schon gar nicht vor Kunden. ( Update: Ein Blick in die Mitarbeiterdatenbank der Niederlassung bringt uns Klarheit: Nein. Keine Führungskraft. Aber ein Verkäufer mit offensichtlichen Vorbehalten gegenüber Kunden ohne Schlips und Kragen)

Jedenfalls möchten wir an dieser Stelle Herrn Demiray unseren ganz besonderen Dank für seine freundliche Art und professionelle Gesprächsführung aussprechen. Wenn doch alle Mitarbeiter von Mercedes Benz so wären.

Na ja, gut dass Herr Wichtig nicht weiß, dass unser nächstes Fahrzeug trotz seines Auftretens wahrscheinlich ein LKW mit dem guten Stern in der 12 Tonnen-Klasse sein wird. Und es gibt ja noch andere Mercedes Benz Filialen in Deutschland. Die werden dann wohl auch kompetentere Verkaufsmenschen haben (was nicht allzu schwer sein sollte).

Stay tuned, es bleibt spannend…

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